Mein Abschied vom Winter

Über Schnee-Wehmut, (Vor-)Freude und Loslassen

Aufgewachsen bin ich in den östlichsten Ostalpen, am Fuße des Schneebergs (2.076 m). Mit Skifahren und Rodeln im Winter und mit dem Luxus der frischen, nach Nadelgehölz riechenden, feuchten Luft im weißen, ruhigen Winter-Wonderland.

Vielleicht zieht es mich deshalb im Winter immer wieder zum Schnee. Auch wenn ich ihn in den letzten Jahren oft suchen musste und mir zum Skitourengehen und Runterwedeln manchmal nur ein weißer Kunstschnee-Streifen, umgeben von grüner Landschaft, blieb.

Ein letzter Skitag

So ein Tag war auch gestern am Semmering Hirschenkogel, auch Zauberberg genannt, wo die Wintersaison endete. Diese zauberhafte Tour auf einem Streifen Weiß wollte ich keinesfalls verpassen.

Und schupdiwup starteten meine Freundin und ich die Skitour die Piste hinauf. Schon zu Beginn bin ich beglückt über die Luft und Ruhe. Der Schnee ist zwar sulzig, doch zum Hinaufgehen und zweimal Runterfahren ist er gut genug.

Ich atme tief durch und spüre die Freude und Kraft durch meinen Körper strömen.

Gefühlsdoppel

Doch in diese Freude mischt sich auch Wehmut, Melancholie. Ein mir bekanntes Gefühl zum Saisonende. Gemischte Gefühle also: Die Freude über den Skitag steht der Wehmut über den vergänglichen Winter gegenüber.

War es das schon wieder?

Ist es tatsächlich bereits vorbei mit dem Winter, mit den Skitouren und dem Spuren im Schnee? Ich war doch erst mit meiner Mutter hier Skifahren! (Tatsächlich ist es schon zwei Monate her.)

Der Abschied vom Winter ist für mich ein emotionaler Prozess. Eine Sehnsucht nach einer eher stillen Zeit, mit den Knirschgeräuschen bei jedem Schritt im Schnee und dem lustvollen Wedeln im weißen Hang. Und besonders der Geruch des Winters hat es mir angetan.

Was mir beim Loslassen hilft

Zum Glück bin ich auch ein Sommerfan, sodass ich auf Glücksmomente nicht allzu lang warten muss. Und trotzdem: Der Übergang braucht manchmal ein bisschen Zeit.

In dieser Phase des Jahreszeitenwechsels, helfen mir ein paar einfache Dinge:

  • Akzeptieren meiner Gefühle: Wehmut zum Abschied darf sein. Genauso wie die Freude am Tun und an der Veränderung.
  • Dankbarkeit über das erlebte Winterglück: Die Augen schließen und sich die schönen Momente mit allen Sinnen herholen. Auch Fotos und alte Liftkarten helfen, sich schöne Gefühle zurückzuholen.
  • Pläne (mit anderen) für den nächsten Winter schmieden: Ideen für die nächste Saison dürfen ruhig schon entstehen.
  • Und die Zeit bis dorthin mit viel Bewegung in der Alpenluft genießen. Fern vom Berg kann auch eine aktive Entspannungseinheit (Yoga, Gymnastik und dgl.) zum Glück verhelfen. Denn Bewegung setzt Botenstoffe (“Glückshormone”) wie Serotonin, Dopamin und Endorphine frei, die helfen, sich aus der Melancholie zu lösen und Freude am jetzigen Geschehen zu haben.
  • Sich Gutes tun, Stichwort: Selbstfürsorge. Manchmal tut es gut, Gefühle und Gedanken kreativ auszudrücken. Wie etwa durch Malen, Zeichnen oder Schreiben (Kreatives Schreiben: Meine 3 Lieblingsübungen).

Aber jetzt wirklich: Abschied vom Winter

Während ich meine Skier wieder in den Keller stelle, weiß ich: Der nächste Winter kommt bestimmt.

Heute hat mir eine Teilnehmerin im Spachencafe – eine Brasilianerin – gesagt, dass sie noch nie davon gehört hat, dass jemand wehmütig Abschied vom Winter nimmt. Wie geht es dir mit dem Jahreszeitenwechsel? Hast du Tipps, wenn du zu wehmütig wirst?

2 Antworten auf „Mein Abschied vom Winter“

  1. Liebe Doris,
    ich bin gerührt und verstehe diese Wehmut sehr. Da ich ein Herbst- und Wintermensch bin, ist das Ende des Winters für mich immer hart. Ich muss einfach länger auf den nächsten Herbst und Winter warten. Meine Vorfreude ist aber jetzt schon sehr groß bald wieder in meinen Lieblingsjahreszeiten unterwegs sein zu dürfen …
    Herzliche Grüße, Ulrike

    1. Liebe Ulrike!
      Vielen Dank für deine herzlichen Worte!
      Oh! Ein Winterfan versteht mich.
      Ich hoffe ich konnte dir durch meine Loslass-Tipps etwas Nützliches für dich mitgeben. Vielleicht bist du ja mit deiner mega Vorfreude schon am Planen?! Viel Spaß!
      Herzliche Grüße, Doris

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